Dienstag, 25. September 2012

Der Unistart

     Nun hat endlich meine Uni begonnen. Genauer gesagt fing sie schon letzten Freitag an. Freitags habe ich eine Vorlesung gewählt mit dem Titel 'Japanese Culture and Society'. Leider verspricht der Titel mehr, als die eigentliche Vorlesung hergibt. Ein Amerikaner, der bereits seit 20 Jahren in Tenri lebt, stellt hier einen historischen Abriss seiner lieblings Zeichentrickfilme vor. Das ganze Semester lang. Aber der Knaller daran ist, daß die verwendete Literatur, teilweise aus dubiosen Popzeitschriften besteht. Naja, immerhin kann meine Montags Vorlesung 'Japanese History' genau das bieten, was dran steht. Auf diese Vorlesung freue ich mich besonders. Diese beiden Vorlesungen sind übrigens auf Englisch.

     Den Rest der Woche verbringe ich mit dem Sprachkurs. Ich wurde in den Anfängerkurs eingestuft, was zur Zeit doch noch etwas lahm ist. Außer 2-3 neuen Vokabeln nehme ich noch nichts neues mit. Es ist z.Z. sogar sehr langweilig, aber in 2-3 Wochen wird das Tempo sicher angehoben. In dem Sprachkurs selbst sitzen neben mir noch 6 weitere Personen. 2 Amerikaner, 1 Kanadier, 1 Taiwaner und 2 Burma(?)Menschen (Irgendeine Insel bei Malaysia) Der Taiwaner hat neulich gar bei den Olympischen Spielen in GB, im Judo teilgenommen. Überhaupt war/ist die Tenri Universität sehr bekannt für guten Judo Sport.

     Aber Sport ist ja nicht gerade mein Lieblingsthema, sondern Musik. In der Geschichtsvorlesung habe ich eine Japanerin kennengelernt, die mich eingeladen hat, mal in den Musikkurs zu kommen. Am Freitag werde ich mal dort hingehen und hoffentlich auch aktiv dran teilnehmen können. In bin schon seit Jahren scharf darauf, ein japanisches Instrument namens Shamisen 三味線 zu spielen. (Ein dreisaitiges Instrument; und ja, das Schriftzeichen mit den 3 Strichen heißt tatsächlich 3) Ich werde mir in den nächsten 1-2 Monaten auch ein eigenes Instrument kaufen. (Daher habe ich meine ganzen Klamotten in 1 Koffer gequetscht, als ich hierher gekommen bin, obwohl ich 2 Gepäckstücken mitnehmen durfte, damit ich auf dem Rückflug das Instrument mit nach Deutschland nehmen kann. Allerdings weiß ich noch nicht genau über die Zoll-/Tierschutzbedingungen Bescheid. Es gibt Instrumente aus Schlangenleder, was ich definitiv nicht einführen darf, aber größtenteils bestehen diese Instrumente auch aus Hund.) In Tenri kosten diese 300€+. Das ist mir etwas zu teuer, daher werde ich mich mal in Kyoto nach einem guten Händler umschauen. Zur Not gibt es noch Yahoo.

Montag, 10. September 2012

Land und Leute

Ich bin nun seit 10 Tagen in diesem Land und möchte über meine ersten Erfahrungen berichten.

Dieses Land ist laut. 
Ob es die Natur selbst oder die Menschen in ihr sind, hier hat man immer etwas in den Ohren. Das Grillenzierpen ist ohrenbetäubend laut und die Vögellaute klingen hier schon sehr tropisch. Aber Tenri 天理 ist auch nur eine kleine Stadt und kein Dorf. Trotzdem wird hier von Menschenhand schon so viel krach gemacht, daß Tokyo 東京 sicher noch schlimmer sein muss. Jeden Morgen um 8 dudelt die selbe Melodie aus dem Lautsprecher des Müllautos. Dann fahren auch mal andere Autos mit Lautsrecher durch die Straßen , um Werbung, meist für die Tenrikyou 天理教 Religion, die in Tenri ihren Hauptsitz hat und nach der die Stadt benannt ist, zu machen. Hat man sich dann mal bei Dauer 30°aus dem Bett geschwitzt, kann man sich in der nahe gelegenen Einkaufspassage weiter bedudeln lassen. Ich habe mir an einem Imbißstand eine Portion Nudeln gekauft. Dort quäkte permanent eine 20 sekündige Jingle aus dem Radio, wie lecker doch die Nudeln seien. Sogar im Rathaus waren die Lautsprecher sehr laut eingestellt, so daß ich mich anstrengen mußte der Frau zu zuhören. Ich habe dann den Lautsprecher einfach mal leiser gedreht und die Frau hat sich nicht darüber beschwert. Ich bin mir sicher, daß sie es sogar befürwortete, daß der freche Ausländer sie von einer Dauerbelastung am Arbeitsplatz befreit hat. Am Imbißstand habe ich es dann aber nicht gemacht, der arme Mann, aber immerhin waren die Nudeln wirklich lecker. おいしいよ


Die Menschen sind sehr nett
und hilfsbereit. Ständig entschuldigen sie sich für alles und nichts. Wenn Mman bspw. im Supermarkt vor einem Regal steht und jemand huscht an einem vorbei, hört man ständig Entschuldigung. Viele können allerdings kein Wort Englisch, daher ist es für mich manchmal schwierig nach etwas zu fragen.
Die Uni hat mir für den ersten Umgang im Land einen Tutor zur Seite gestellt. Dieser arbeitet leider sehr viel und hat daher wenig Zeit, aber er versucht sich wohl passiv um mich zu kümmern. Den ersten Freitagabend klingelte es Abends an meiner Tür. Es stand ein Freund von meinem Tutor vor ihr und konnte sogar deutsch sprechen. Er war sogar in Marburg. Er fragte mich ob ich nicht Lust auf Bowling hätte. Natürlich. もちろん。Wir haben noch eine weitere Deutsche und 2 Koreanerinnen ins Auto geladen und sind dann zu fünft bowlen gewesen. Nach dem Bowling ging es dann noch weiter in eine Kneipe. Dort stieß noch ein Koreaner auf uns, den ich auch vorher schon kennengelernt habe. Es war ein sehr schöner Abend, bei dem ich auch viel reden und verstehen konnte. Immerhin waren alle, bis auf den Japaner Austauschstudenten und verstanden anfangs genau so wenig Japanisch wie ich. Das gab mir Grund zur Beruhigung. Ich muss halt gambarieren, ne (^-^)


Samstag, 1. September 2012

Flug , Ankunft und erste Eindrücke

Gestern bin ich endlich in Japan angekommen. Der Flug hat mich knapp 15 Stunden gequält. Nach etwa 11 Stunden war ich auf dem großen, aber Menschen und Flugverkehr leeren Flughafen in Shanghai. Nach weiteren 4 Stunden war ich dann endlich in Japan. Eigentlich wäre ich früher angekommen, aber der Pilot hat seine Maschine auf dem Flugfeld falsch in Stellung gebracht, was, neben der normalen Verspätung von 30min., zu einer 40 minütigen Verspätung geführt hat, also insgesamt 70min Verspätung.

In Japan angekommen traf mich erstmal der (Hitze-) Schock. Es war ein einziges Grau in Grau. Aber als der Tenri Universität Shuttlebus in Tenri ankam, änderte sich zum Glück das Panorama. Neben mir wurden noch 12 weitere Leute am Flughafen eingesammelt, die alle, selbst der Kanadier, asiatischer Herkunft waren.

In Tenri angekommen wurde ich sofort ins Studentenwohnheim verfrachtet. Dort wurde ich bereits von einem Tutor erwarten, der sogar ein paar Brocken deutsch spricht. Erst führte er mich ein wenig im Zimmer rum, zeigte mir das Haus und nahm sich sogar ein wenig Zeit, um mit mir einzukaufen. Der Ersteindruuck ist doch ein sehr positiver. Doch ein kleiner Weltenzusammenbruch kam über mich, als ich erfuhr, daß ich kein WLan habe. Gut, daß ich erstmal nur meine WLan-fähigen Geräte mitgebracht habe. Mein PC kommt erst in 3 Wochen, damit kann ich mich dann im Zimmer ans Netz anschließen. Aber das kann es ja auch nicht sein, da Tag und Phone dennoch Internet brauchen. Leider war der Tutor ratlos, als ich ihn nach einem Elektronikladen fragte. Da werde ich jedenfalls nachrüsten.






Mittwoch, 22. August 2012

Die Vorbereitungen

Hallo Leute,

es sind nun schon wieder einige Monate ins Land gezogen und ich bin immer noch in Deutschland. In den nächsten Tagen geht es aber endlich nach Japan. Ich werde im Kansai International Airport landen; ein kleiner Flughafen, der eigens in einer Bucht nahe Osaka aufgeschüttet wurde. Meine Vorbereitungen für den Ausflug beschäftigten sich aber nicht nur mit dem Flugbetrieb, obwohl es meine erste Flugreise ist*, auf die ich mich schon sehr freue. Nachdem ich einen ersten Bescheid von den Tenri Daigaku (Universität) [天理大学] erhalten hatte, musste ich trotzdem noch sehr lange auf das offizielle Uni-Schreiben warten. Der Grund dafür lag darin, daß die Uni sämtliche Visumsvorbereitungen für mich übernommen hat. Ein sogenanntes 'Certificate of Elighbility'. Ich hatte einen Antrag für das Certificate gleich mit meinen Uni-Unterlagen abgegeben. Dieses wurde dann nach Osaka zum deutschen Generalkonsulat geschickt, anschließend wieder an die Uni und zu guter Letzt zu mir. Diese Prozedur hat in etwa drei Monate in Anspruch genommen. Zum Glück wird mit diesem Certificate aber der Visums-Antrag um ein vielfaches beschleunigt. Innerhalb von sechs Tagen hatte ich mein Visum.
Was mir seit der Bestätigung für den Austausch auch Anfangs zu schaffen machte, war die Sorge um die Kosten. Ich hatte keinerlei Erspartes, oder gar eine vermögende Familie, die mir mit den Aufenthaltskosten zur Seite stehen konnte. Mir blieb im Endeffekt nur die Möglichkeit eines Kredits. Doch war es nicht ganz so leicht eine passende Bank zu finden. Letzten Endes hat dann doch alles zum positiven (?!?) entwickelt.
Das waren im großen und ganzen die wesentlichen Vorbereitungen für meinen Austausch. Um ein Studentenzimmer vor Ort, brauchte ich mich nicht zu kümmern. Das regeln die Japaner alles für mich. Sogar ein Shuttle-Service holt mich vom Flughafen ab und begleitet mich bis zum Wohnheim, welches übrigens unweit vom Campus sein soll.
Jetzt muss ich mich nur noch um meine Klamotten in Deutschland kümmern. Ich sitze jetzt schon auf gepackten Kartons und warte darauf, daß meine Mutter sie vor Abflug einsammelt und in meine alte Heimat bringt. Hier lassen, kann ich sie leider nicht, da mein Zimmer von den Vermietern genutzt werden wird. Also muss ich mir in Japan auch schon eine neue Bleibe für meine Rückkehr suchen. Aber bis dahin habe ich ja noch ein wenig Zeit.

*Im Alter von 5 oder 6 Jahren habe ich mal einen Familienausflug nach Mallorca gemacht.